DGB-Düsseldorf besorgt über die Verfestigung der Armut im Hartz-IV-System

Veröffentlicht: 29.11.13, 10:37 | Aktualisiert: 29.11.13, 10:37

Sigrid Wolf (Foto: DGB Düsseldorf- Bergisch Land)

Die Bevölkerung in Düsseldorf ist nach einer Analyse des DGB weit stärker von Hartz-IV betroffen als in der Mehrzahl der anderen Großstädte. Zugleich gelingt es den Hilfeempfängern/-Hilfeempfängerinnen in der Stadt im Schnitt weit seltener, den Hilfebezug längerfristig oder nur befristet zu überwinden. Die Verfestigung der prekären Lebensverhältnisse ist besorgniserregend, wenn mehr als 50 % der Hartz-IV-Bezieher in Düsseldorf mindestens vier Jahre auf staatliche Fürsorge angewiesen sind.

44.712 der erwerbsfähigen Menschen im Alter von 15 – 64 Jahren in Düsseldorf waren Ende 2012 auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Das Hartz-IV-Risiko in Düsseldorf ist mit 11 % überdurchschnittlich hoch. Besorgniserregend ist, dass Hartz-IV-Empfänger/-Empfängerinnen in Düsseldorf länger auf staatliche Fürsorge angewiesen sind als in vielen anderen Großstädten. Fast drei Viertel der erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher/Bezieherinnen der Stadt sind bereits im Langzeitbezug und haben in den letzten zwei Jahren mindestens 21 Monate Hartz-IV bezogen.

„Dem Hartz-IV-System ist es bisher nicht gelungen, eine Verfestigung prekärer Lebenslagen zu verhindern“, so Sigrid Wolf, Stadtverbandsvorsitzende des DGB-Düsseldorf. „Trotz der Verhärtung im Hilfebezug gibt es auch im Hartz-IV-System relativ viel Bewegung. Ständig kommen andere hinzu, während andere doch immer wieder den Hilfebezug beenden können. Erstmals hat der DGB in Düsseldorf differenzierte Daten zum Eintritts- und Verbleibrisiko im Hartz-IV-System vorgelegt.

Ihnen zufolge liegt das Eintrittsrisiko in Hartz-IV für Erwerbsfähige im vergangenen Jahr in Düsseldorf bei 3,2 Prozent. Über 3 Prozent der Bevölkerung von 15 – 64 Jahren müssen innerhalb eines Jahres Hartz-IV beantragen.
Bei dem Risiko, hilfebedürftig zu bleiben, lässt sich für Düsseldorf festhalten, dass mehr als einem Drittel der Hartz-IV Beziehenden im ersten Jahr die Überwindung der Hilfebedürftigkeit gelingt. Aber auch dieser Anteil ist weit niedriger als in anderen Großstädten und auch dem Bundesdurchschnitt insgesamt.

„Wir brauchen eine stärkere Professionalisierung der Betreuung. Stabilisierungs-, Unterstützungs- und Eingliederungsmaßnahmen müssen stärker am Ziel der Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Zudem müssten die sozialintegrativen Maßnahmen der Stadt – wie Schuldnerberatung, etc. – sowie abschlussorientierte Qualifizierungen für diese Zielgruppe ausgebaut werden. Ebenso sollten Menschen bei einer Jobvermittlung noch längere Zeit nachbetreut werden, um ein neues Arbeitsverhältnis möglichst stabilisieren zu können. Auch die Bundesregierung ist gefordert: Durch die Kürzung der Arbeitsförderung in den vergangenen Jahren haben sich die Förderchancen für Hartz-IV-Empfänger/Empfängerinnen massiv verschlechtert. Dies hat dazu beigetragen, dass viele Menschen längerfristig auf staatliche Fürsorge angewiesen sind. Aber auch die Unternehmen sollten mehr tun und Hartz-IV-Empfängern und Empfängerinnen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt geben“, so Sigrid Wolf.

DGB Düsseldorf- Bergisch Land

1 Kommentar zu diesem Artikel. Fühlen Sie sich frei dieser Unterhaltung beizutreten.

  1. FreeSpeech 30. November 2013 um 19:56 –

    Nur mal so:
    ZUr Richtigstellung.
    Es waren durchaus die SPD UND die Gewerkschaften die den, Aussage Schröder: Wir haben den besten NIEDRIGLOHNsektor Europas geschaffen, aus der Taufe gehoben haben.
    Ein Würgereiz überkommt mich, wenn ich lese:
    „Wir brauchen eine stärkere Professionalisierung der Betreuung. Stabilisierungs-, Unterstützungs- und Eingliederungsmaßnahmen müssen stärker am Ziel der Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Zudem müssten die sozialintegrativen Maßnahmen der Stadt – wie Schuldnerberatung, etc. – sowie abschlussorientierte Qualifizierungen für diese Zielgruppe ausgebaut werden.”
    Dies zeugt von Arroganz oder umfassender Ahnungslosigkeit.
    Denn die Stellschrauben nützen nichts, bis gar nichts, wenn, wie es der Fall ist, die Arbeitsplätze gar nicht zur Verfügung stehen. ES GIBT SIE EINFACH NICHT!
    Wenn mittlerweile sogar Akademiker in HartzIV abrutschen, was soll dann die Qualifizierung eines arbeitslosen Stukkateurs zur Bäckereifachkraft…
    Auch DAS ist Steuerverschwendung!
    HartzIV muss weg!